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Wie  namhafte  Kosmologen  die  Welt  einstmals  erklärten

  

Zitatweiser Ausschnitt aus einem Presseartikel zum Stand der Kosmologie im Jahre 1997

www-editiert von Agnus D.  /  anno domini  2001

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L. Smolin mit seiner Idee: Weswegen sollte man nicht das biologische Prinzip der Evolution auch auf das Universum bzw. die Universen übertragen? Das Leben auf Planet Erde hat sich über 4,5 Milliarden Jahre hinweg entwickelt, bis schließlich eine intelligente Art entstanden ist, wir Menschen. Vielleicht trifft das auch auf die Universen zu.

Eine ganz wichtige Voraussetzung für diese »Hypothese der natürlichen Selektion« dürfte die Annahme sein, dass unser All (und alle vorangegangenen und folgenden ebenso) geschlossen ist, das heißt, dass es irgendwann wieder in einem großen Kollaps in sich zusammenfällt, statt sich weiterhin und ewig auszudehnen. Sollte dies der Fall sein, glaubt Smolin, würden die Bedingungen für das nachfolgende Universum wieder neu gemischt. Allerdings mit kleinen Variationen, die genetischen Mutationen auf der Erde entsprechen.

Bei diesen Prozessen würden dann auch Universen entstehen, die zum Beispiel mehrere Singularitäten (etwa Schwarze Löcher) schaffen. Aus ihnen heraus könnten sich dann gleich zahlreiche neue Kosmen entwickeln. Und ähnlich wie bei den natürlichen biologischen Selektionsprozessen auf der Erde würden die »guten« Eigenschaften - nämlich die stabilisierenden physikalischen Grund-konstanten - »weiter-vererbt« und weiterentwickelt. Universen, in denen dies nicht geschieht, wären dann sozusagen »Totgeburten« und könnten nicht weiter zur Evolution beitragen.

Nach dieser Theorie stünde unser Universum am (vorläufigen) Endpunkt einer da schier unfassbar langen Evolution. Genauso »blind«, wie die Lebensentwicklung auf der Erde vorangeschritten ist, abhängig von Zufall sowie sich selbst organisierenden Prozessen, wäre in sehr viel größerem Maßstab und in viel längeren Zeiträumen auch die Entwicklung der Universen vonstatten gegangen.

Eine reizvolle Überlegung, den Darwinismus auf den gesamten Kosmos zu übertragen. Aber ebenso eine unbefriedigende. Denn es ist eben lediglich eine Analogie, und die Geschichte der Wissenschaft hat allzu häufig bewiesen, dass Analogien nur bedingt geeignet sind, kosmologische Wahrheiten zu entdecken. Die Astrologen und Alchimisten der Antike und des Mittelalters, welche damals die Wissenschaft repräsentierten, übertrugen irdische Hierarchien einfach auf das Universum. Heute wissen wir, welch ein Unsinn das war.

Dennoch - vielleicht haben die alten Überlieferungen nicht so ganz unrecht; jene Schöpfungsmythen, die davon sprechen, mächtige Götter hätten das All geschaffen. Ist die Schöpfung doch ein übernatürlicher Akt? Nicht unbedingt. Professor Edward Harrison ist Astronom an der Universität von Massachusetts. Er gehört seit langem zu den Vordenkern der neuen Kosmologie. Im vergangenen Jahr nun hat er in der altehrwürdigen Zeitschrift der britischen Königlich-Astronomischen Gesellschaft eine Idee zu Papier gebracht, welche nur auf den ersten Blick völlig verrückt wirkt. Er nämlich meint, unser Universum könnte durch viel weiter fortgeschrittene Intelligenzen eines anderen Mutteruniversums geschaffen worden sein. Wie soll man sich denn so etwas vorstellen?

Tatsächlich haben wir ja schon heute - jedenfalls mathematisch - die Voraussetzung für solche »Do-it-yourself-Universen« zur Verfügung. Alan Guth, welcher die Idee der kosmischen Inflation in die Diskussion einführte, beschreibt, wie es gelingen könnte, über künstlich erzeugte Schwarze Löcher gewissermaßen im Labor neue Universen herzustellen. Dazu benötigten wir alsdann hochenergetische Partikel mit einer Masse von ungefähr 10 Kilogramm. Zusammengepresst und gezündet, könnte sich hierbei das Schwarze Loch inflationär ausbreiten - nicht in unseren Kosmos hinein, sondern in eine neue Raumzeit, bzw. ein ganz neues Universum. »Es heißt ja bekanntlich, dass von nichts nichts kommt«, meint Alan Guth. »Doch das Universum ist die Inkarnation des entgegengesetzten Prinzips in höchster Vollendung.«

Ist unser Universum auf diese Weise entstanden? Bislang ist unklar, wie es überhaupt zur Inflation gekommen ist; dafür gibt es keine logische Erklärung. Weshalb hat sich ein »Energiebündel«, das die Singularität ja am Anfang war, plötzlich ausgebreitet? Wie wurde es gezündet? Durch welchen Effekt ist unsere Welt »ins Leben« getreten? Edward Harrison, der die Gedanken Alan Guths auf unser Universum übertragen hat. vertritt die Auffassung, dass wir die Entwicklung von Intelligenz unterschätzt haben. Seit vor ein paar Millionen Jahren die ersten Menschen die Sonne aufgehen sahen, hat die menschliche Intelligenz eine rapide Entwicklung erfahren. Wie sieht dies in einer weiteren Million Jahren aus? Oder in zehn, in hundert Millionen Jahren?

Unsere fernen Nachfahren werden über Möglichkeiten verfügen, die wir uns nicht einmal im Traum ausdenken können. Mehr noch: Da wir bereits heute die mathematischen Eckwerte für die Schöpfung neuer Universen besitzen, ist es im Grunde nur noch eine Frage der Zeit, wann die ersten Forscher ein künstliches Schwarzes Loch erzeugen und ein neues Universum »erschaffen« werden. Warum sie das tun sollten? Vielleicht einfach nur, um die Theorie in der Praxis zu erproben. Oder um Bedingungen zu erzeugen, die für Leben und Intelligenz noch geeigneter sind. Oder um ein sterbendes Universum zu verlassen und sich in einem neuen auszubreiten.

Freilich: Auch diese Hypothese kann uns keineswegs erklären, wie das allererste für die Entstehung von Leben und Intelligenz »brauchbare« Weltall entstanden ist. Etwa durch reinen Zufall? Oder aber doch durch ein allmächtiges Wesen? Im Grunde ist also auch Harrisons Idee nur eine Verlagerung des Problems weiter zurück in die Vergangenheit, hinein in ferne Zeiten und Räume, die sich unserer Erforschung entziehen. Was aber bleibt, sind die großen Rätsel unserer Existenz. Warum sind wir hier? Warum gibt es das Universum?

»Wenn wir uns all dieses überwältigende Beweismaterial anschauen«, meint der amerikanische Astronom George Greenstein angesichts der unglaublichen Zufälle, die zu unserer Existenz geführt haben, »so drängt sich unwillkürlich der Gedanke auf, dass irgendeine übernatürliche Vermittlung im Spiel gewesen sein muss. Ist es möglich, dass wir plötzlich, ohne alle Absicht, auf den wissenschaftlichen Beweis für die Existenz eines höheren Wesens gestoßen sind? War es etwa Gott, der eingegriffen hat und vorausschauend den Kosmos zu unserem Nutzen gestaltete?«

War er es, wie viele Religionen dieser Welt es lehren? Oder aber waren es hochentwickelte Intelligenzen aus einem anderen Universum, wie Harrison glaubt? Waren es blinde evolutionäre Zufälle, wie Smolin denkt? Womöglich wird der Mensch darauf niemals eine Antwort finden. Ansätze vielleicht, in einer fernen Zukunft, wenn unsere hochentwickelten Nachfahren das erste »künstliche« Universum schaffen. Und vielleicht werden sich auch dann die Menschen oder das, was sich aus ihnen entwickelt hat, eines Johannes Kepler erinnern, der einmal gesagt hat: »Es gibt nichts, was ich lieber erforschen und wissen möchte als dies: Kann ich Gott, den ich bei der Betrachtung des Weltalls geradezu mit Händen greife, auch in mir selber finden?«  

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